Ich ist eine Andere

Judith Weber

Ich ist eine Andere

„Einander kennen? Wir müssten uns die Schädeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Hirnfasern zerren.“ So heißt es in Büchners „Dantons Tod“. Mein aktuelles Projekt „Ich ist eine Andere“ wirft erneut die Frage auf, wie gut wir einen anderen Menschen kennen können und kann als Fortsetzung meiner Serie „Das grobe Leder“ verstanden werden.
Solange ich denken kann, hörte ich meine Mutter den Satz sagen: „Ach, wär‘ ich doch Schauspielerin geworden!“ Gleich einem Schauspieler schlüpft sie in immer neue Rollen, ihr wahres Ich bleibt mir verborgen. Meine Arbeit thematisiert den Wunsch sowie die Unmöglichkeit, die eigene Mutter zu verstehen. Über den Zeitraum eines Jahres habe ich den Versuch unternommen, mich meiner Mutter fotografisch anzunähern. Entstanden sind acht ‚inszenierte‘ Porträts, die viel mit meiner Mutter zu tun haben, ohne sie dabei in alltäglichen Situationen zu zeigen.